Dankesrede von Dr. Nicola Leibinger-Kammüller Vorsitzende des Vorstands TRUMPF SE + Co. KG

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Harnacke,
sehr geehrter Herr Professor Kania;
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Heinrichs;
sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und des Kuratoriums;
meine sehr verehrten Damen und Herren;

vor allem: sehr geehrter, lieber Herr Doktor Erdland!

Ich danke Ihnen sehr für die Auszeichnung mit dem Benediktpreis 2026 und die in diesem Zusammenhang gesprochenen Worte! Diese Würdigung, sowohl die verbale als auch der Preis selbst, bedeutet mir viel. Und das nicht zuletzt angesichts der Liste klangvoller Namen anderer Preisträger in den vergangenen Jahren…

Ich danke der Jury unter der Leitung von Herrn Professor Kania umso mehr für Ihr Votum. Und ich danke Dir, lieber Alexander, für Deine mehr als wohlwollenden, nämlich berührenden und zu Herzen gehenden Worte – und dass Du Dich überhaupt so eingehend mit der Preisträgerin beschäftigt hast! Aber auch Ihnen, Herr Harnacke und Herr Heinrichs, für Ihre Begrüßungen!

Sie alle sind dem Anspruch des „benedicere“, also jemand anderem etwas Gutes, vielleicht sogar Schmeichelhaftes zu sagen, mehr als gerecht geworden.

Und wenn nur ein Bruchteil dessen zutreffen sollte, was das Publikum eben über die heute zu Ehrende hören konnte, wenn also nicht – wie üblich bei solchen Anlässen – die Übertreibung das legitime Stilmittel der Wahl war, welches die Hand der Schreibenden bei ihren Manuskripten führte, wäre es mir eine Freude. Und ein Glück. Dafür wie gesagt meinen herzlichen Dank!

I.

Zugleich kann ich meine protestantische Grundhaltung angesichts der Wortbeiträge auch an diesem Abend nicht verbergen.

Eine Erwiderung auf Grußworte und Lobreden, selbst solche famose wie die Erdlandsche, sollte nämlich – wenn sie denn überhaupt sein muss – unbedingt kurz ausfallen und allein von Dankbarkeit geprägt sein. Um nicht zu sagen: von Demut.

Sie sollte in keinem Fall der Versuchung erliegen, sich selbst allzu sehr in eigener Sache auszubreiten. Dies wäre im höchsten Maße fehl am Platze, scheint mir. Denn es würde das zuvor Gesagte verwässern. Ihm seine Singularität nehmen.

Deshalb, verehrter Laudator, verehrte Anwesende, hält sich die Geehrte durchaus kurz, und zwar nicht aus gedanklicher Trägheit, sondern allein aus Höflichkeit mit Rücksicht auf alles bereits Gesagte. Und sie wiederholt sich bewusst:

Ich danke Ihnen sehr, dass Sie heute Abend auch meinetwegen zu diesem Anlass erschienen sind!

Sie könnten andere Dinge in dieser altehrwürdigen Stadt tun, die mir wie vielen anderen Schwaben – ich bitte dies zu verzeihen – auch wegen Ihres legendären Fußballvereins und so manchen Siegen und Niederlagen gegen den VfB Stuttgart in früheren Zeiten präsent war, als jeder in Ditzingen die Namen Netzer, Rahn oder Lienen kannte…

Möge das Credo des Benediktpreises, das für jeden Preisträger auch eine gewisse Verpflichtung darstellt, in diesen von Zwietracht und globaler Unsicherheit geprägten Zeiten etwas dazu beizutragen, die Dinge zum besseren zu bewegen!

II.

Meine Damen und Herren: Begriffe wie Hoffnung, Zuversicht, Aussöhnung, die mit diesem Preis verbunden sind, waren genau wie ein „stabiles Wertegerüst“ nie leere Worte oder „old fashioned“. Auch wenn sie in Wirtschaft, Politik und Medien bisweilen inflationär zu hören sind.

Mir scheint im Gegenteil, dass sie derzeit nötiger denn je gebraucht werden, wenn wir an die Herausforderungen im In- und Ausland denken, die Ihnen allen wohlbekannt sind.

Dies gilt – wenn ich das als Unternehmerin hinzufügen darf – auch für die deutsche Industrie, die ich heute Abend ein Stück weit repräsentieren darf. Auch und gerade den für Deutschland so bedeutungsvollen Mittelstand, der unser Land und seine Menschen doch maßgeblich trägt. Und deren Firmen man mit Fug und Recht als das „Salz der Erde“ bezeichnen kann, um sprachlich eine Brücke zum konfessionellen Gehalt des heutigen Preises zu schlagen.

Denn ein Teil der angespannten Stimmung in den vielen kleinen wie großen Firmen hat neben dem Wiedererstarken von Protektionismus, Handelskriegen und einer dramatisch gewachsenen Konkurrenz insbesondere aus Asien auch mit den sich seit Jahren verengenden Handlungsspielräumen durch die Politik und ihren verstörenden Signalen an die Unternehmen zu tun.

Auch das wissen Sie alle hier im Raum: Der ausufernde, sich mit neuen Stellen versorgende Staat samt seiner steigenden bürokratischen Vorgaben ist eben kein Elefant, den man aus Contenance-Gründen ungenannt lassen müsste.

III.

Der Bürokratieverdruss derjenigen, die etwas aus eigener Kraft „schaffen wollen“, wird so schnell zum Verdruss an Politik, ja, am Staatswesen insgesamt. Unternehmer, Handwerker, Landwirte: Es kommt selten vor, dass ich öffentlich einen ARD-Fernsehbeitrag empfehle. Aber vielleicht sehen Sie sich die Dokumentation „Land unter Druck“ mit Stimmen aus Handwerk, Landwirtschaft, Gesundheit, Verkehr, Kommunalpolitik und Sport im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin an, um nachzuempfinden, was die Menschen in Deutschland im Alltag wirklich mürbe macht – und oft verzweifeln lässt angesichts der Sinnhaftigkeit so mancher staatlicher Vorschriften.

Sie lief am 31. August nach der „Tagesschau“ und findet sich in der Mediathek. Und wenn ich das noch hinzufügen darf: Mein Mann und ich glaubten unseren Augen und Ohren nicht zu trauen, dass derart schonungslose Worte in der ARD zur besten Sendezeit zu hören waren…

So sorgt sich das Gros gerade der mittelständischen wie großen tarifgebundenen Betriebe – zurück zur deutschen Wirtschaft – angesichts einer kostenseitig desaströsen und planwirtschaftlichen Energiepolitik, der hohen Steuern, der starren Arbeitszeitgesetze, der kurzen Arbeitszeiten im internationalen Vergleich, vor allem aber hinsichtlich der aus dem Ruder gelaufenen genannten Bürokratie „um ihrer selbst willen“ sehr. Und sie „klappert“ mitnichten, wie es der Volksmund dem Handwerk bekanntlich unterstellt…

Aber ich fürchte, dass noch nicht überall deutlich genug angekommen ist, sei es bei den Gewerkschaften oder Teilen der Regierungskoalition in Berlin, wie schlagend der Zusammenhang aus Arbeit, freier Selbstentfaltung und gesellschaftlichem Wohlstand ist, wie man ihn etwa in der Schweiz hochhält; das beweisen auch die Reaktionen der SPD-Spitze in Berlin auf den Wahlausgang in Sachsen-Anhalt, wenn man ernsthaft glaubt, die notwendigen Reformen deshalb wieder abschwächen zu wollen. Dies wäre die völlig falsche Lehre aus Magdeburg, denn die Menschen haben sich nicht wegen der Rentendebatte der letzten Woche hin zur AfD orientiert!

Es kommt zu wenig in der Politik an, wie bedeutend die deutsche Unternehmerschaft auch als Stabilisator der Demokratie landauf und landab ist. Und zwar nicht nur in den Ballungsräumen, sondern nicht minder in den Regionen, abseits der großen Städte. In den Landkreisen, den kleinen und mittelgroßen Städten sowie den Dörfern. Hier tief im Westen übrigens nicht anders als im Osten.

IV.

Wir sollten die Signale, die den Bereich der Wirtschaft betreffen, vielmehr hören und entsprechend handeln, und zwar schnell. Denn auch das haben wir am Sonntag am Wahlabend neben einem für mich erschütternden Wahlergebnis gesehen, dass fast 60 Prozent der Wähler in Sachsen-Anhalt autoritäre, marktwirtschaftsfeindliche Politik gewählt haben, wenn man AfD, Linke und BSW zusammenzählt:

Es sind über Jahre blinde Flecke in der Wahrnehmung ökonomischer Ängste der Menschen in einem Produktionsland wie Deutschland entstanden, die wir schleunigst beseitigen müssen. Auch um des sozialen Friedens willen, dem kostbarsten Schatz der Sozialen Marktwirtschaft, dem Wirtschaftsmodell der Freiheit, mit der Deutschland sehr gut gefahren ist – und an die sich offenbar immer weniger Menschen zu erinnern scheinen im lauter werdenden Rufen nach einem wachsenden Staat als Problemlöser. Das, genau wie das Wahlergebnis in Magdeburg vom Sonntag, muss alle Parteien besorgen. Am meisten die meine, die CDU.

Ich sage es sehr klar: Wenn die vielen kleinen Unternehmen samt ihrer Ausbildungsplätze einst weniger werden oder ganz verschwinden, weil sie unter anderem wegen der Regulierung nicht mehr können, kommen sie nicht mehr zurück. Dies können wir am Niedergang der US-amerikanischen Werkzeugmaschinenindustrie sehen, die es heute defacto nicht mehr gibt, weshalb wir kaum Konkurrenz in den USA haben in diesem Bereich, und wenn, dann japanische.

Die mittelständischen Unternehmen sind, ich scheue dieses große Wort nicht, das Rückgrat unseres Landes. Wenn uns der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Baden-Württemberg, Rainer Neske, sagt, dass nur noch 20 Prozent der Kredite für Investitionen im Inland bestimmt seien, vier Fünftel hingegen an deutsche Firmen für Projekte im Ausland gingen, muss uns das im höchsten Maße alarmieren.

V.

Insofern freut es mich in mehrfacher Hinsicht, dass Sie heute Abend eine Unternehmerin ehren, die sich zuvorderst als Staatsbürgerin und Christin versteht. Denn Sie sagen mit dieser Wahl auch: Die Wirtschaft und gerade der produzierende Mittelstand sind essenziell für unser Land.

Es ist wahr: Unternehmen leisten über ihren monetären Beitrag hinaus einen wichtigen Anteil zu dem, wonach sich die Menschen in einer volatilen Welt offenkundig sehnen: nach Stabilität und Sicherheit.

Nach dem Gefühl von Gemeinschaft und Gemeinwohl.

Nach dem Gefühl, und jetzt kommt das Entscheidende, jenseits der großen medialen und politischen Wellen gehört zu werden.

Nur wer gehört wird, fühlt sich am Ende respektiert. Und als Teil jener demokratischen Ordnung, an die man ihn ständig erinnert.

Gelebte Demokratie beginnt aber genau damit: nicht mit dem Senden, sondern damit, anderen zuzuhören. Hier lag in der Vergangenheit offenkundig manches im Argen, das sich wie so vieles andere im Leben mit frischem Mut wieder revidieren ließe.

Ich gehe, meine Damen und Herren, sogar noch weiter und spitze zu: Die deutschen Unternehmen sind über die Jahre vielerorts „Heimat“ geworden. Gerade dort, wo traditionelle konfessionelle, politische und soziale Säulen zu wanken oder zu bröckeln beginnen.

Genau an dieser Stelle schaffen Unternehmen das Gefühl von Zugehörigkeit.

Dies ist am Ende für mich auch die zentrale Bedeutung von engagiertem Unternehmertum in unserer Zeit, der ich mich mit Herz und Hand verschrieben habe, wenn ich so sagen darf. Genau wie viele andere im Land.

VI.

In diesem Sinne: Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Dir, lieber Alexander Erdland, der Du eine ganz andere Wirtschaftsbranche über Jahrzehnte erfolgreich geprägt hast, die Versicherungswirtschaft nämlich, und heute einen familiären landwirtschaftlichen Betrieb führst, danke ich aber ganz besonders für Deine einfühlsamen Worte!

Und ich danke der Jury noch einmal für diese Auszeichnung im Namen des Heiligen Benedikt von Nursia. Dieser war zwar Katholik und hatte fraglos noch keine Idee von „Mittelstand“ im heutigen Sinne. Aber er wusste um das seligmachende Zusammengehen von Arbeit und Glauben, das auch für viele konfessionell geprägte Familienunternehmen in Deutschland nach wie vor die entscheidende Richtschnur des Lebens ist. Die in Schwaben natürlich ganz besonders, Sie sehen mir eine Spur landsmannschaftlichen Patriotismus am Ende gewiss nach..

Herzlichen Dank!

Weitere Artikel

1. Oktober 2026

Impressionen 2026

23. September 2026

Rheinische Post 23.09.2026 Vorschläge für den Junior-Benediktpreis gesucht

Erst vor zwei Wochen ist die vielfach engagierte Unternehmerin Prof. Nicola Leibinger-Kammüller mit einer der wichtigsten Auszeichnungen des Landes geehrt worden: Im Kaisersaal von Haus…
10. September 2026

Rheinische Post 10.09.2026 Prof. Dr. Nicola Leibinger-Kammüller Unternehmen geben Demokratie Halt

Gelebte Demokratie beginnt aber genau damit: nicht mit dem Senden, sondern damit, anderen zuzuhören. Hier lag in der Vergangenheit offenkundig manches im Argen, das sich…
9. September 2026

Rheinische Post 09.09.2026 Prof. Dr. Nicola Leibinger-Kammüller „Aussöhnung ist nötiger denn je“

Mit Nicola Leibinger-Kammüller ist eine der wichtigsten Unternehmerinnen Deutschlands mit dem renommierten Benediktpreis von Mönchengladbach ausgezeichnet worden. Die Chefin des Maschinenherstellers Trumpf steht für Werte,…
8. September 2026

Laudatio von Dr. Alexander Erdland

Und da ist die weltoffene Bürgerin Nicola Leibinger-Kammüller, geboren in den USA, wie schon gesagt, die promovierte Philologin, zuvor Studentin der Germanistik und Japanologie, die…
8. September 2026

Rede des Oberbürgermeisters Felix Heinrichs

Liebe Frau Prof. Leibinger-Kammüller, lieber Herr Dr. Kammüller, ich heiße Sie herzlich willkommen in „Mönchen-Gladbach“. Einer Stadt, die uns schon mit ihrem Namen als sichtbares…